Die Herrin und der Sommerkönig
sabienes 2. Dezember 2009

Wenn man dieses Buch zum ersten Mal in den Händen hält, hat man den Eindruck, dass es sich hier um etwas ganz besonders handelt. In dem Einband der gebundenen Ausgabe (die momentan bei Amazon den selben Preis, wie das Paperback hat) ist eine Art Zauberstab mit 3 Spiralen geprägt. Auch der Blick auf die fast 900 Seiten (hier lohnt sich die gebundene Ausgabe schon aus Gründen der Haltbarkeit) ist erfreulich: eine feine, außergewöhnliche Schrift, mehrere Karten und sonstige Grafiken, jedes Kapitel hat ist mit einem passenden Bildchen verziert.
Zur Story Irgendwo in irgendeiner Welt zu irgendeiner Zeit: Das aufgeweckte Mädchen Shanna geht bei der Hexe Gunde in die Lehre. Gunde ist als Hexe eine Anhängerin des Götterpaares Gehörnter Gott und Schwarze Göttin. Was diese von ihrer Glaubensgemeinde verlangen sind Lustorgien, wo und wann immer es einen überfällt. Dies soll einer optimalen Energiefokussierung und besserem Versenken in Trancezuständen dienen.
Shanna lernt fleißig, avanciert bald zum Liebling der Götter und wird von ihnen zur Herrin bestimmt, um gemeinsam mit dem Sommerkönig (Kunort, der Jäger) durch die Lande zu ziehen, Lust und Fruchtbarkeit zu verbreiten und gegen das Böse zu kämpfen.
Mit von der Partie sind allerlei Hexen, Magier, Schamanen. Man trifft auf Charaktere wie die Spiegelhexe, den Traumhändler oder den König der Dunkelelben.
Eigentlich hat Axel Brück damit ein prächtiges Werk geschaffen, einen Fantasyroman, der nicht ganz an die populären Vorlagen wie Harry Potter oder Herr der Ringe heranreicht, aber dennoch ein wenig an den großen Statuen krazten könnte.
Leider vergibt er zuviele Chancen an das explizite Beschreiben von orgiastischer Koppulation. Wenn die Inquisiteure ehemals die Hexen beschuldigten, zu Beltane es auf dem Blocksberg mit dem Teufel zu treiben, hatten sie anscheinend gar nicht so unrecht. Allerdings wussten sie wohl nicht, WIE die Hexen in Wirklichkeit dorthin gelangten!
Alles in allem weiß ich nicht, ob ich das Buch empfehlen soll oder nicht. Und wenn man sich die Kommentare dazu bei Amazon durchliest, geht es vielen Lesern ähnlich.
Es gibt viel Schönes, aber oft hat es mich so geärgert, dass ich es weglegen musste. Es ist neben all der verwendeten Phantasie zu plakativ, zu simpliziert und zu vordergründig.
Für jemand, der sinnliche Literatur schätzt, mag das Werk genau das Richtige sein. Allerdings ist der Begriff “Literatur” eventuell auch ein wenig hochgestochen.
Das Buch ist im Übrigen auch wenig spirituell. Jemand, der sich neu mit der Thematik Naturreligionen auseinandersetzt, mag es vielleicht sogar abstoßen.
Axel Brück ist der Verfasser mehrerer Bücher und geführter Meditation aus der Schamanenecke. Es ist fraglich, ob man sich dem anvertrauen kann.