Bella 15. Februar 2007

Ich muss sagen, ich grusele mich ja selbst ein bischen
hätte nicht gedacht, dass meine Darstellung von “Ceridwen auf der Sau” so abstrakt wird, aber es kam einfach so über mich! Ceridwen hat nun mal eine dunkle Seite, weswegen wir am Anfang auch noch gezweifelt haben, ob sie wirklich die passende Namensgeberin für den Ritualkreis ist. Heute kann ich von mir sagen, dass ich allen Zweifel abgelegt habe und mich voll und ganz mit ihr als der “großen Mutter des Kreises” identifizieren kann. Auf der Suche nach Ceridwen stößt man unweigerlich auf zwei Symbole. Ich muss an die Tage zurück denken, als wir das Logo für den Ritualkreis planten und Sabine mich “von der Sau weg… hin zum Kessel” lenkte, indem sie mir versuchte zu erklären, dass eine Sau nichts ist, womit sich Menschen identifizieren können und es das Ganze doch “a weng” ins lächerliche ziehen würde. Ich mag Schweine halt! *lach* Es kommt vielleicht auch darauf an, welche Erfahrungen man mit Schweinen gemacht hat. Bei Omas Nachbar-Bauern standen meine Schwester und ich als wir klein waren begeistert am Gitter des Ferkel-Stalls und ließen uns von den kleinen rosa Schweinchen an den Gummistiefeln rumnuckeln
Die Sau ist ein Symbol für Fruchtbarkeit, da Schweine sich ja sehr rasch und in hoher Zahl vermehren. Außerdem ist die Bache (die Mutter-Sau) eine hingebungsvolle Mutter, die ihre Jungen rigoros verteidigt. Schweine ziehen ihre Jungen in freier Wildbahn übrigens in einem reinen “Sau-Rudel” auf. Die Eber wiederum bilden eigene Rudel. Der Ausdruck “Schwein gehabt!” zeugt von hoher Achtung die Menschen dem Tier zu Teil werden lassen und nicht umsonst haben viele verantwortungsbewußte Menschen ein “Spar-Schwein”. Die Beschimpfung “Du dumme Sau!” allerdings, zeugt von wenig Intelligenz. Haben doch Studien bewiesen, dass Schweine mindestens so intelligent sind wie Hunde. Manch einer hält sich sogar ein Hausschwein. Das Schwein und der Kessel haben viel gemeinsam. Ich spreche nicht von der gewölbten Form – es ist ja nicht zu übersehen – es geht um die symbolische Bedeutung. Der Kessel ist auf Grund der Verbindung zum Mutterleib, so wie die Sau ein Symbol für Fruchtbarkeit. Dies lässt sich in Bezug auf den Kessel auch durch die Geschichte von Taliesin verdeutlichen. Ceridwen ist in dieser walisischen Geschichte eine Zauberin, die einen hässlichen Sohn hat. Um von dessen Hässlichkeit abzulenken, möchte sie ihn zu einem weisen Mann machen und Braut in ihrem Kessel einen Trank für ihn, von dem nur drei Tropfen die Weisheit beinhalten. Dieser Trank muss ein Jahr und einen Tag kochen und zu bestimmten Mondzyklen müssen bestimmte Kräuter hinzugefügt werden. Da sie nicht ständig den Kessel bewachen kann beauftragt sie den Jungen Gwion Bach (in einigen Quellen heißt es er ist ihr anderer Sohn) auf den Zaubertrank aufzupassen. Durch ein Versehen spritzen aber drei Tropfen des Gebräus auf die Hand des Gwion Bach und der steckt die Finger in den Mund um die Verbrennung zu lindern, merkt aber im selben Augenblick, dass er die Weisheit erlangt hat und realisiert, wie zornig Ceridwen auf ihn sein würde, wenn sie ihn in die Finger bekäme. Der Rest des Zaubertrankes wird zu Gift und der Kessel zerspringt. Als Ceridwen die Zerstörung sieht, nimmt sie zornig die Verfolgung auf. Gwion Bach hat sich derweilen schon versteckt, als er aber merkt, dass Ceridwen auf sein Versteck zukommt verwandelt er sich in einen Hasen (zu dieser Zaubertrank-Sache gehören auch Verwandlungkünste) und läuft davon. Ceridwen aber durchschaut ihn und verwandelt sich in einen Greyhound um ihn zu jagen. Er verwandeld sich seinerseits in einen Fisch, sie sich in einen Fischotter. Er verwandels sich in einen Vogel, woraufhin sie sich in einen Adler verwandelt. Zu letzt meint er sich unter tausenden Weizenkörnern in einer Scheune verstecken zu können, sie aber verwandelt sich in ein Huhn und pickt ihn auf. Als sie sich jedoch wieder in einen Menschen zurück verwandelt, stellt sie fest dass sie schwanger ist. Eigentlich möchte sie das Kind töten, als sie es gebiert, da es aber so wunderschön ist, bringt sie es nicht übers Herz und setzt es in einem Boot aus, lässt es den Fluss hintunter treiben (ähnlich wie bei Moses, oder?), wo es dann auch vom Prinzen Ephin gefunden wird, der den Knaben Taliesin nennt (“glänzende Stirn”), denn der Junge hat die Weisheit durch die “Wiedergeburt” nicht verloren und er wird der ersten und höchsten Barde von Wales und noch lange danach nennen sich die Barden “Cerddorion” – Söhne der Ceridwen. In dieser Geschichte kommen sehr gut die verschiedenen Attribute der Ceridwen zum Ausdruck. 1. Ihr Sohn ist nicht mit Schönheit gesegnet, sie möchte ihm dafür einen Ausgleich geben, sie ist also eine fürsorgliche Mutter. 2. Obwohl Gwion durch den Trank der weiseste Mann überhaupt geworden ist, ist sie immer noch klüger und durchschaut ihn. 3. Trotz ihres Zorns und des Vorhabens, hat sie einen weichen Kern und tötet das Kind nicht, sondern lässt das Schicksal entscheiden. Die Geschichte ist sehr alt und voller Symbolik und es ist noch lang nicht alles, wass es über Ceridwen zu berichten gibt. Aber es ist ein Anfang und ich werde noch mehr über Ceridwen schreiben, versprochen!
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Ceridwen. Die Rückkehr der dreifaltigen Göttin
Buchtipp und Text von Bella
Tags: Ceridwen, Kessel, Sau, Schwein gehabt, Taliesin, Transformation