Brauchen wir die blöde Sommerzeit?

Bella 31. März 2010

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Aus aktuellem Anlass, zitiere ich aus Wikipedia:

Die Idee einer jährlichen Zeitumstellung wurde erstmals im Jahre 1784 von Benjamin Franklin in einem Brief über „die Kosten des Lichtes“ an die Herausgeber einer Pariser Zeitschrift erwähnt, in dem er den hohen Verbrauch an Kerzen kritisierte. Angesichts des humorvollen Charakters des Textes ist allerdings nicht klar, ob es sich um einen ernsthaften Vorschlag Franklins handelte.[1]

Eine der offiziellen Begründungen für die Einführung der Sommerzeit war die Einsparung von Energie. Diese ist allerdings fraglich und bis heute umstritten. Beispielsweise haben kalifornische Wissenschaftler 2008 in einer neueren Untersuchung durch dreijährige Beobachtung des Stromverbrauchs von 7 Millionen Haushalten in Indiana, wo die Sommerzeit erst 2006 eingeführt wurde, festgestellt, dass der Stromverbrauch nach der Umstellung auf die Sommerzeit um 1 bis 3 Prozent anstieg. So könne das ursprünglich verfolgte Ziel der Energieeinsparung durch die Sommerzeit nicht erreicht werden. Demnach falle die Energiebilanz sogar negativ aus, da „geringfügige Einsparungen im Frühjahr einem umso stärkeren Stromverbrauch im Spätsommer und Herbst“ entgegenstünden. Insbesondere ein erhöhter Heizbedarf in den frühen Morgenstunden und eine stärkere Nutzung von Klimaanlagen an den längeren Nachmittagen und warmen Sommerabenden fallen negativ ins Gewicht. Die Einwohner Indianas zahlten rund 8,6 Millionen US-Dollar pro Jahr mehr für den zusätzlichen Energieverbrauch. Die Verfasser der Studie, die Wirtschaftswissenschaftler Matthew Kotchen und Laura Grant von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara, berechneten zudem die Kosten der stärkeren Umweltverschmutzung für die Gesellschaft auf jährlich 1,6 bis 5,3 Millionen Dollar.[27]

Dass die erwünschte Energieeinsparung auch in Deutschland nicht erreicht wurde, bestätigte am 18. Mai 2005 die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.[28] Das Umweltbundesamt stellte keine positiven Energiespareffekte fest, da die Einsparung an Strom für Beleuchtung durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit „überkompensiert“ werde.[29] Der zunehmende Einsatz von Energiesparlampen würde diesen Effekt in Zukunft zudem weiter verstärken.[30] Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.[31]

Während Befürworter der Sommerzeit argumentieren, es sei für die Menschen vorteilhaft, abends länger bei Tageslicht die Freizeit gestalten zu können, wodurch ihre Produktivität erhöht werde, argumentieren die Gegner, die Anpassung an den neuen Tagesrhythmus dauere mindestens mehrere Tage, sei gesundheitsschädlich und verringere während der Umstellungsphase die Produktivität. Es lägen physiologische Studien vor, nach denen einige zirkadian schwankende Hormonspiegel, ähnlich dem des Stresshormons Kortisol, bis zu viereinhalb Monate brauchten, um sich vollständig den neuen Gegebenheiten anzupassen (bei einstündiger Zeitumstellung gegen die natürliche Rhythmik, also nach Art der gängigen Sommerzeit) – in umgekehrter, „natürlicher“ Richtung (also bei Eintritt der „Winterzeit“) dauere diese Anpassung nur ca. zwei Wochen. Ob allein diese Hormonspiegelschwankungen bereits krankheitsfördernd wirken, sei jedoch nicht belegt.

Anmerkung: Es wird davon ausgegangen, dass der natürliche Rhythmus unserer inneren Uhr auf einen längeren Tag (25-Stunden-Tag) als den 24-Stunden-Tag programmiert ist. Deshalb kann unsere innere Uhr auf relativ „natürliche“ Weise unseren Tag verlängern, aber es fällt ihr sehr schwer, die Tageslänge zu verkürzen (siehe dazu auch: Jetlag).

Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich die Anpassung des chronobiologischen Rhythmus des Organismus als problematisch herausgestellt hat.[32] Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen haben hier offenbar größere Schwierigkeiten.

Ob die Zeitumstellung einen Einfluss auf die Zahl der Verkehrsunfälle in der Umstellungsphase hat, ist nicht klar; Untersuchungen dazu kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.[33][34] Die Unfallquote ist während der Sommerzeit insgesamt niedriger.[35][36]

Nach einer Studie von Imre Janszky und Rickard Ljung erhöht die Umstellung auf die Sommerzeit das Herzinfarktrisiko.[37]

Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass die Milchkühe ein bis zwei Wochen benötigen, um sich auf die neuen Melkzeiten umzustellen. Besonders bei der Herbst-Zeitumstellung ist der veränderte Tagesablauf auf den Höfen am lauten Muhen einiger Kühe morgens deutlich zu verfolgen. Bei der Frühjahrsumstellung ist die Milchleistung einige Tage lang geringer. Die meisten Landwirte verteilen inzwischen die Zeitumstellung für das Melken über mehrere Tage, um so das Problem zu mildern.

(das waren natürlich nur ein paar Absätze, den ganzen Artikel gibt es hier)

Jetzt hätte ich von euch ganz gerne mal eure Meinung zu dem Thema gewusst!

Also ran an die Tasten :)

9 Reaktionen zu “Brauchen wir die blöde Sommerzeit?”

  1. Bellaam 2. April 2010 um 13:52 Uhr

    also ich hätte jetzt gedacht, das Thema schlägt ein wie eine Bombe. Aber Irren ist ja bekanntlich menschlich :)

  2. Martinam 2. April 2010 um 23:08 Uhr

    Die ganze Energiedebatte ist mir völlig egal

    ich finde es soooo schön, wenn man abends bei Helligkeit noch in die Stadt gehen kann – evtl. schon draußen sitzen, ein Bier trinken – ist doch wunderbar.
    Und: Wem nützt es, wenn im Sommer schon um 04:07 Uhr die Sonne aufgeht (was es bei Beibehaltung der Winterzeit tun würde)? Auch wenn ich normalerweise um 05:00 Uhr aufstehe, das braucht echt niemand.
    LG

  3. Tatzelwurmam 3. April 2010 um 10:49 Uhr

    Das hat noch nicht eingeschlagen, weil wir nach der Zeitumstellung alle noch viel zu müde sind. ;-)

    Dass die Zeitumstellung Null Vorteile bringt, das war doch gleich von Anfang an klar. Erstaunlich finde ich nur wie lange Wissenschaftler gebraucht haben, das nun endlich zu belegen.

    Es hat nur Nachteile, aber an dieser “Tradition” wird hundertpro festgehalten werden, weil man sonst ja zugeben müßte, dass die Einführung damals eine Fehlentscheidung gewesen ist.

    Wenn ich mich im Bekanntenkreis so umhöre, dann sind die meisten dagegen, nur ganz wenige genießen tatsächlich, dass es abends länger hell ist.

    Was wohl bei einer Volksabstimmung raus käme?

    Frühlingsgrüße von einem zeitlich immer noch hinterher hinkendem Tatzelwurm

  4. Bellaam 3. April 2010 um 11:16 Uhr

    2007 wurde von der FDP vorgeschlagen, die Winterzeit (was ja eigentlich die Normalzeit ist) abzuschaffen. Es blieb aber alles beim Alten: http://www.shortnews.de/id/691481/Grosse-Koalition-entscheidet-Sommerzeit-und-Winterzeit-werden-nicht-abgeschafft

    Ich glaube bei einem Volksentscheid, würde sich auch nichts ändern. Die Mehrheit (z.B. meine Generation) kennt es ja gar nicht anders. Und viele lassen sich ja dann doch von den Menschen aus ihrem Umfeld beeinflussen. Die Sommerzeit abzuschaffen würde dann letztendlich für den einzelnen Befürworter bedeuten gegen den Strom zu schwimmen. Und wer schwimmt schon gerne gegen den Strom. Außer mir natürlich :)

  5. Tatzelwurmam 4. April 2010 um 10:56 Uhr

    Och Du, da kenne ich noch so ein Fabelwesen in Schliersee, am Alpenrand, das liebt ebenfalls die andere Richtung im Fluss.
    *zwinker*

  6. Sabienesam 5. April 2010 um 15:26 Uhr

    Stimmt, die meisten Arbeitnehmer genießen die Sommerzeit. Trotzdem könnte ich auch drauf verzichten.
    Ciao
    Sabine

  7. Sabienesam 5. April 2010 um 15:28 Uhr

    Oder man sitzt am Schliersee, trinkt Slyrs und befindet sich im Fluss mit allem und jedem ;-)
    Sabine

  8. Klausam 16. April 2010 um 19:00 Uhr

    Sommerzeit – ist doch typisch für unser Zeitalter. Immer schön gegen die NATUR.

    Wir können es viel besser.

    Jedes Zeitalter hat seine Illusion.

  9. Sabienesam 17. April 2010 um 08:44 Uhr

    Deinen letzten Satz finde ich sehr passend: Jedes Zeitalter hat seine Illusion….

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